Es gibt diesen einen Satz, den viele von uns mitbekommen haben.
Irgendwann in der Kindheit. Irgendwo zwischen Küchentisch und Schulhof.
„Eigenlob stinkt."
„Sei bescheiden."
„Mach einfach."
Und wir haben es gemacht. Wir machen es noch immer.
Wir arbeiten, tragen, organisieren, halten zusammen – und schweigen dabei so selbstverständlich, als wäre das die einzig mögliche Art zu sein.
Aber was passiert, wenn wir nie sagen, was wir tun?
Du kennst das vielleicht: Du erledigst im Hintergrund alles. Den Kalender, die Einkäufe, den Geburtstag deiner Schwiegermutter, den Termin beim Kinderarzt, das Projekt auf der Arbeit, das niemand sonst sieht. Und du wartest darauf, dass jemand es bemerkt.
Meistens passiert: nichts.
Nicht, weil die anderen böse sind. Sondern weil sie schlicht nicht hinschauen, wo du still deine Arbeit tust.
Ich habe das in meiner eigenen Partnerschaft erlebt. Irgendwann habe ich angefangen, konkret auszusprechen, was ich organisiere und tue. Nicht als Klage. Als schlichte Aussage.
Die Reaktion meines Partners hat mich überrascht. Er wusste es schlicht nicht. Er hatte nie die Gelegenheit, es wahrzunehmen – weil ich es nie ausgesprochen hatte.
Der erste Grund ist die Konditionierung aus der Kindheit. Wir haben gelernt, dass bescheiden sein gut ist. Dass wer viel Aufhebens um sich macht, sich unbeliebt macht.
Aber es gibt noch einen zweiten Grund. Einen, den viele Frauen in sich tragen, ohne ihn zu benennen:
Wir reden nicht, weil wir Angst haben, andere damit zu verletzen.
Weil wir befürchten, dass die Kollegin sich schlecht fühlt, wenn wir sagen, was wir geleistet haben. Dass der Partner sich angegriffen fühlt, wenn wir aussprechen, was wir im Hintergrund tragen. Dass die Freundin neidisch wird, wenn wir zeigen, worauf wir stolz sind.
Und ja – wenn Egos aufeinanderprallen, kann daraus ein Wettkampf werden.
Aber meistens wird er das nicht. Meistens passiert etwas ganz anderes: Die andere atmet auf. Weil jemand endlich mal ausspricht, was eigentlich ohnehin alle fühlen. Weil sich dadurch ein Raum öffnet, in dem auch sie sagen darf, was sie tut.
Sichtbarkeit ist ansteckend. Schweigen auch.
Die Frage ist: Wen schützt du eigentlich wirklich, wenn du dich zurücknimmst?
Es gibt einen Satz, der das auf den Punkt bringt:
„Tu Gutes und rede darüber."
Der Satz stammt aus einem Buch über Öffentlichkeitsarbeit – von Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim, 1961. Er war damals Kommunikationschef bei BASF und hat damit ein ganzes Jahrhundert Kommunikation geprägt.
Und ja, das klingt erstmal nüchtern. Aber genau das macht den Satz so gut.
Er sagt nicht „prahl". Er sagt nicht „rechtfertige dich". Er sagt: Benenne, was ist.
Was du getan hast. Was du trägst. Was du leistest.
Das ist kein Aufschneiden. Das ist Klarheit. Für die anderen. Und für dich selbst.
Dass dieser Satz ausgerechnet aus der Marketing-Welt kommt, ist kein Zufall.
Marketing klingt groß. Nach Strategie, nach Reichweite, nach Verkaufen. Aber im Kern ist Marketing genau das:
„Tu Gutes – und rede darüber."
Marketing ist Kommunikation. Klare Kommunikation. Und Kommunikation ist Beziehung.
Wenn du nie sagst, was du anbietest – woher soll jemand wissen, dass er bei dir richtig ist?
Wenn du nie ausdrückst, was du leistest – woher soll jemand wissen, dass er dich bezahlen darf?
Das gilt für Selbstständige.
Das gilt für Angestellte im Jahresgespräch.
Das gilt in jeder Beziehung, in jedem Team, an jedem Küchentisch.
Viele Frauen, die zu mir kommen, sagen: „Ich und Marketing, das passt nicht zusammen." Und wenn wir tiefer schauen, dann geht es selten um technische Hürden oder fehlendes Wissen. Es geht darum, dass sie nie gelernt haben, über das zu sprechen, was sie wirklich können. Dass das Wort „Selbstvermarktung" sich anfühlt wie ein Verrat an dem, was sie als Mädchen gelernt haben.
Dabei ist es das Gegenteil. Es ist die Rückkehr zu einer ganz schlichten Wahrheit:
Was du tust, darf gesehen werden.
Nimm dir einen Moment. Frag dich:
Wo in deinem Leben tust du gerade etwas Gutes, über das du noch nicht gesprochen hast?
Etwas, das du trägst. Etwas, das du organisierst. Etwas, das du anbietest. Etwas, das du kannst.
Und dann: Sprich es aus. Einmal. Heute. Zu einer Person.
Nicht als Beschwerde. Nicht als Rechtfertigung. Als schlichte Aussage.
„Ich habe das gemacht."
„Ich kann dir dabei helfen."
„Das ist, was ich anbiete."
Und dann schau, was passiert.
Dieser Blog ist ein Anfang. Aber das Muster, nicht über sich zu sprechen, sitzt oft tief. Es ist verwoben mit Selbstwert, mit alten Glaubenssätzen, mit einer Loyalität zu denen, die uns beigebracht haben, klein zu bleiben.
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Anna 🤍