Morgenausrichtung

Ich habe meinen Mann mit einer Wunschliste manifestiert. Und ich schreibe immer noch daran.

Anna und Sebastian

Bevor ich Sebastian kennengelernt habe, habe ich eine Liste geschrieben. Kein Grübeln, keine Liste von dem, was mein zukünftiger Partner alles nicht sein darf. Sondern Sätze wie: "Danke, dass mein Partner mich zu seiner Nummer eins macht." "Danke, dass mein Partner sich selbst liebt." "Danke, dass mein Partner gut kochen kann."

Jetzt bin ich mit diesem Prachtexemplar verheiratet. Und trotzdem fällt mir ab und zu etwas auf. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich ihn kritisiere – innerlich oder laut. Ein Satz, der so beginnt, landet in mir immer im gleichen Muster: Warum macht er das so? Er müsste das anders machen.

Zwischen der Liste und dem Moment, in dem ich Sebastian zum ersten Mal begegnet bin, lagen etwa eineinhalb Jahre. Und diese Zeit war nicht nur Warten. In der Zeit habe ich mein Bild von Männern überarbeitet.

Ich trug Sätze in mir, die ich nie laut ausgesprochen, aber immer wieder gedacht hatte. "Von einem schönen Teller isst man nie allein" – sprich: attraktive Männer sind sowieso vergeben. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet" – sprich: Bindung ist etwas, das man erst mal misstrauisch beäugt, bevor man ihr traut. "Ich muss erst abnehmen, bevor ein attraktiver Mann ja zu mir sagen kann" – sprich: so, wie ich bin, reicht es noch nicht. Solche Sätze wirken leise im Hintergrund, aber sie bestimmen, wen man überhaupt anzieht.

Diese Sätze habe ich mir angeschaut und aufgelöst. Das muss übrigens gar nicht lange dauern – es gibt Prozesse, die tief gehen und trotzdem schnell wirken. Zwischen dieser inneren Arbeit und der ersten Begegnung mit Sebastian vergingen noch mal etwa sechs Monate.

Die Liste ist nicht fertig, nur weil die Person schon da ist

Wenn ich mich beim Meckern erwische, nehme ich meine Liste und schreibe: "Danke, dass mein Mann …" – und dann genau das, was ich mir wirklich wünsche. Nicht die Beschwerde. Der Wunsch dahinter.

Manchmal weiß ich in dem Moment gar nicht genau, was ich will. Dann nehme ich einen Schmierzettel und schreibe erst mal auf, was ich nicht mehr will. Und finde dann das Gegenteil davon. Das Gegenteil kommt auf die Liste.

Witzigerweise verändert sich danach unweigerlich etwas. Nicht, weil ich ihm die Liste zeige. Nicht, weil ich ihn mit meinen neuen Erwartungen konfrontiere. Sondern weil ich in dem Moment, in dem ich schreibe, selbst umschalte – vom Ärger zum Wunsch.

Wer sich ärgert, muss sich den Ärger anschauen

Das ist der Teil, den ich am liebsten überspringen würde, wenn ich ehrlich bin. Es ist leichter, den Finger auf den anderen zu richten, als sich zu fragen, warum mich gerade diese Sache so trifft. Aber der Ärger zeigt mir jedes Mal etwas über mich. Über das, was ich mir selbst noch nicht erlaube. Über das, was ich mir wünsche und noch nicht ausgesprochen habe – nicht mal mir selbst gegenüber.

Deswegen ist Loslassen der zweite Teil, ohne den die Liste nichts bringt. Aufhören zu meckern. Aufhören, mich über das aufzuregen, was gerade nicht so ist, wie ich es will. Die Liste schreiben – und dann loslassen, wie und wann sich etwas verändert.

Deine Übung für heute

Nimm ein Blatt Papier. Schreib oben drauf: Meine Wunschliste. Denk an einen Bereich, in dem du gerade öfter meckerst oder dich ärgerst – dein Job, deine Beziehung, dein Alltag. Und schreib auf, was du dir wirklich wünschst. Als Dank, so als wäre es schon da: "Danke, dass …"

Findest du den Wunsch nicht auf Anhieb, schreib erst auf einen Schmierzettel, was du nicht mehr willst. Dreh es um. Das Gegenteil kommt auf deine Liste.

Und dann: leg den Ärger ab. Nicht, weil er falsch war. Sondern weil er seine Aufgabe schon erfüllt hat, sobald du ihn dir angeschaut hast.

Willst du deinen Tag mit genau solchen Momenten beginnen?

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